Donnerstag, 28. Juni 2012

Eklig

Der Andere

via Deviantart - Four Bugs

Es ist ein wunderschöner Frühlingstag mit strahlend blauem Himmel. Während ich in der Stadt auf einer Bank sitze und auf eine Freundin warte, stellt sich plötzlich ein fremder junger Mann vor mich und fragt, ob er sich setzen dürfe. Ich mustere ihn vorsichtig. Er trägt zerrissene Jeans, ein fleckiges Shirt, hat lange fettige Haare, die unter einem Baseballcap hervorstehen und fahle, weiße Haut. Selbstverständlich sage ich, die Bank ist schließlich groß genug für Vier. Doch anstatt sich an das andere Ende der Bank zu setzen, lässt er sich sich ruckartig direkt neben mir nieder. Mit dieser plötzlichen Nähe hatte ich nicht gerechnet und fühle mich extrem unwohl, rücke noch ein Stück näher an die Kante. Da ich nicht unhöflich sein will, lächle ich ihn nur kurz an. Er erwidert mit einem großen, breiten Grinsen und entblößt dabei seine schiefen, vergilbten Zähne. Einer seiner Eckzähne fehlt. Mir läuft ein Schauder über den Rücken und ich schaue schnell weg. Krampfhaft hoffe ich, dass meine Freundin bald auftaucht und mich von ihm erlöst. Doch das tut sie nicht, stattdessen kramt der junge Mann eine Schachtel Zigarillos aus der Tasche und pafft eine nach der anderen. Ein beißender Geruch umgibt mich wie eine Wolke. Übelkeit steigt langsam in mir auf. Soll ich einfach aufstehen und gehen? Oder wegrennen? „Magst du Käfer?“, fragt er mich plötzlich. Ich bin entsetzt von seiner Frage, weiß keine Antwort und gucke ihn nur verdattert an. Er fährt fort: „Die sind toll, die kann man so schön zerquetschen...“. Gänsehaut, am ganzen Körper. Jetzt reicht's. In der Ferne sehe ich plötzlich meine Freundin, Gott sei dank. Ich springe auf, stottere noch ein „Muss los“ und gehe.



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