 |
| von Kiki ;) |
Ich flechte mir die Haare zu zwei
langen Zöpfen, an die Enden stecke ich Federn in das Haargummi. Ein
letztes Mal bevor ich losgehe, betrachte ich mich im Spiegel. Mit dem
braunen Kleid und dem Holzschmuck sehe ich fast aus wie ein richtiger
Indianer. Zumindest fühle ich mich so. Da ich keine Pfeife habe, um
Rauchzeichen zu geben, stecke ich mir noch ein Päckchen Drehtabak
und Blättchen in meine bunte Umhängetasche. Auf dem Weg zur Haustür
klemme ich mir noch schnell das alte Tipi aus Kindertagen unter den
Arm. Genaugenommen besteht es nur aus fünf Stangen Holz und einem
großen, bemalten Stück Stoff. Es sieht schon ziemlich ramponiert
aus, erfüllt jedoch seinen Zweck. Also los.
Mit meinem Aufzug und dem Zelt unterm
Arm werde ich auf der Straße seltsam angesehen, doch es ist mir
egal, ich bin bald da. Barfuß beschreite ich weiter meinen Weg, bis
ich auf eine großen Wiese mitten im Wald angekommen bin. Ich baue
mein Zelt unter einem großen Ahorn auf und lasse mich einfach ins
trockene, hohe Gras fallen. Diese Einsamkeit und Abgeschiedenheit
hatte ich schon lange mal wieder nötig. Also genieße ich und
lausche dem Rauschen der Blätter im Wind.
In meiner Kindheit spielten wir oft
Cowboys und Indianer. Wenn ich groß bin, werde ich eine Squaw, habe
ich damals immer gesagt. Doch irgendwann, als ich erkannte, dass man
damit kein Geld verdienen kann, musste ich umdenken.
Ich drehe mir mit
dem Tabak eine Zigarette, puste den Rauch langsam in die Luft und
versuche daraus Ringe und andere Dinge zu formen. Klappt leider auch
nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Etwas frustriert drücke
ich den Stummel auf einem Stein aus und lege mich hin. Vielleicht
kann ich wenigstens in den Wolken etwas beobachten. Ehe ich mich
versehe, bin ich eingeschlafen. Als ich wieder aufwache ist es fast
dunkel und ich habe Hunger. Da ich ich keine kleinen Hasen fangen
möchte, beschließe ich mein Zelt abzubauen und mir zu Hause eine
Pizza zu machen. Obwohl ich an diesem Tag vermutlich nichts richtig
Indianer-Mäßiges getan habe, fühle ich mich doch ziemlich
zufrieden und ausgeglichen. Barfuß stolpere ich den langen Weg
wieder zurück nach Hause und hoffe, dass dies nicht der letzte Tag
war, an dem ich hier raus gekommen bin.