Mittwoch, 15. August 2012

Indianer für einen Tag

von Kiki ;)
Ich flechte mir die Haare zu zwei langen Zöpfen, an die Enden stecke ich Federn in das Haargummi. Ein letztes Mal bevor ich losgehe, betrachte ich mich im Spiegel. Mit dem braunen Kleid und dem Holzschmuck sehe ich fast aus wie ein richtiger Indianer. Zumindest fühle ich mich so. Da ich keine Pfeife habe, um Rauchzeichen zu geben, stecke ich mir noch ein Päckchen Drehtabak und Blättchen in meine bunte Umhängetasche. Auf dem Weg zur Haustür klemme ich mir noch schnell das alte Tipi aus Kindertagen unter den Arm. Genaugenommen besteht es nur aus fünf Stangen Holz und einem großen, bemalten Stück Stoff. Es sieht schon ziemlich ramponiert aus, erfüllt jedoch seinen Zweck. Also los.
Mit meinem Aufzug und dem Zelt unterm Arm werde ich auf der Straße seltsam angesehen, doch es ist mir egal, ich bin bald da. Barfuß beschreite ich weiter meinen Weg, bis ich auf eine großen Wiese mitten im Wald angekommen bin. Ich baue mein Zelt unter einem großen Ahorn auf und lasse mich einfach ins trockene, hohe Gras fallen. Diese Einsamkeit und Abgeschiedenheit hatte ich schon lange mal wieder nötig. Also genieße ich und lausche dem Rauschen der Blätter im Wind.
In meiner Kindheit spielten wir oft Cowboys und Indianer. Wenn ich groß bin, werde ich eine Squaw, habe ich damals immer gesagt. Doch irgendwann, als ich erkannte, dass man damit kein Geld verdienen kann, musste ich umdenken.
Ich drehe mir mit dem Tabak eine Zigarette, puste den Rauch langsam in die Luft und versuche daraus Ringe und andere Dinge zu formen. Klappt leider auch nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Etwas frustriert drücke ich den Stummel auf einem Stein aus und lege mich hin. Vielleicht kann ich wenigstens in den Wolken etwas beobachten. Ehe ich mich versehe, bin ich eingeschlafen. Als ich wieder aufwache ist es fast dunkel und ich habe Hunger. Da ich ich keine kleinen Hasen fangen möchte, beschließe ich mein Zelt abzubauen und mir zu Hause eine Pizza zu machen. Obwohl ich an diesem Tag vermutlich nichts richtig Indianer-Mäßiges getan habe, fühle ich mich doch ziemlich zufrieden und ausgeglichen. Barfuß stolpere ich den langen Weg wieder zurück nach Hause und hoffe, dass dies nicht der letzte Tag war, an dem ich hier raus gekommen bin.

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