Mittwoch, 6. Februar 2013

Verzichten

via Deviantart
Kaffee & Zigaretten

Es ist 8.10 Uhr und der Wecker reißt mich unsanft aus meinen Träumen. Im Halbschlaf steige ich aus meinem Bett und wandere in die Küche. Meine Finger bewegen sich wie in Trance auf die Knöpfe der Kaffeemaschine zu. Der flüssige, schwarze Nektar fließt in die Tasse und sein Duft steigt mir in die Nase. Ich werfe noch einen Löffel und Zucker in die Tasse und greife nach der Soja-Milch. Doch dann stocke ich. Wollte ich nicht heute auf Kaffee verzichten? Die Tasse vor meiner Nase lächelt mich verführerisch an und flüstert leise „Trink mich!“ - NEIN, schreie ich sie an – und ehe ich mich versehe ist sie im Ausguss verschwunden, Stattdessen versuche ich meinen Kopf mit schwarzem Tee frei zu spülen. Eigentlich gar nicht so schlecht. Doch die Zigarette am Morgen fehlt mir sehr. Mir ist schlecht und ich will nichts essen, stopfe mir trotzdem ein Nutella-Toast in mich hinein.
Der ganze Tag verläuft nicht besser als der Morgen. Überall wo ich hingehe lächelt mich entweder eine Tasse Kaffee oder eine Zigarette an. Oder beides. Die Versuchung einfach schwach zu werden ist riesig. Ablenkung finde ich wenigstens Vormittags in der Gesellschaft von Freunden. Mittlerweile ist es jedoch schon Nachmittag und ich bin einfach nur frustriert. Ich habe die Nase voll von schwarzem Tee und sich mit Qualm anpusten lassen macht alles auch nur schlimmer. Meine Gedanken schweifen immer wieder zu meinen Lastern. Teilweise bin ich doch etwas erstaunt wie süchtig ich doch bin – aber das war mir eigentlich schon vorher klar. Ich hatte es nur weit in meinem Unterbewusstsein vergraben. Essen und Musik helfen mittlerweile auch nicht mehr. Nichts hilft mehr. Ich frage mich immer wieder, wieso ich mich darauf überhaupt eingelassen habe? Ich bin einfach kein Verzicht-Mensch. Ich kann keinen Sinn dahinter erkennen. Mir geht es nicht besser dadurch, stattdessen leiden ich und meine Mitmenschen unter meiner schlechten Laune. Nach diesem Tag weiß ich, dass beides ein Luxus ist auf den ich nicht verzichten möchte. Doch ich habe auch gemerkt, dass es noch viel schlimmer wäre auf Musik oder Gesellschaft zu verzichten und bin froh, dass ich auf diese Dinge nicht verzichten musste und es auch in Zukunft nie tun werde.
Abends bin ich wieder allein. Bevor ich mich schlafen lege zünde ich mir noch eine letzte Zigarette an und gebe damit der Versuchung nach. In diesem Augenblick hätte ich nichts lieber getan.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen